Der Berliner Ernst Lubitsch folgte 1922 einem Angebot nach Hollywood, wo er als Regisseur und Produzent zu einer der bekanntesten Größen des US-Kinos aufstieg. Sein Markenzeichen war der „Lubitsch-Touch“: Vorgänge (häufig erotischer Natur) durch Andeutungen, Blicke oder verräterische Gesten zu erzählen, ohne explizit zu werden - was die damalige Zensur verhindert hätte. Auf diese Weise machte er das Publikum zum Komplizen.
Als eines der glänzendsten Beispiele dieses „Lubitsch-Touchs“ gilt seine sechste Hollywood-Produktion: LADY WINDERMERE'S FAN. Die Gesellschaftssatire erzählt mit Aufnahmen erstaunter Gesichter, tuschelnder Damen, sich öffnender Türen oder vergessener Accessoires die Geschichte eines folgenreichen Missverständnisses und nimmt mit fast ausschließlich visuellen Mitteln die Doppelmoral der englischen Oberschicht aufs Korn.
Die Los Angeles Times lobte seinerzeit, dass Lubitsch ein literarisches Werk perfekt in die Sprache des Kinos übertragen und mit seinem Film den Geist des Originals getroffen habe.
Zum Inhalt: Die junge Lady Windermere verdächtigt ihren Ehemann, eine Affäre mit einer Frau zu haben, die einst Mann und Kind verließ, dadurch ihren Ruf in der feinen Gesellschaft Londons ruinierte und dort nach zwanzigjähriger Abwesenheit wieder auftaucht. Tatsächlich ist Mrs. Erlynne die totgeglaubte Mutter von Lady Windermere, wie sie Lord Windermere offenbart. Um den Ruf seiner Frau nicht zu gefährden, bringt der Lord mit einer Geldzahlung Mrs. Erlynne dazu, ihre Identität zu verheimlichen. Zum Missfallen Lady Windermeres lädt ihr Mann seine vermeintliche Geliebte Mrs. Erlynne zur Geburtstagsparty seiner Frau ein. Gedemütigt, will Lady Windermere zu ihrem Verehrer Lord Darlington fliehen. Mrs. Erlynne findet den Trennungsbrief ihrer Tochter. Sie folgt ihr in Darlingtons Wohnung, um sie zur Rückkehr zu bewegen. Doch als dort Lord Windermere in Gesellschaft Darlingtons auftaucht, steht plötzlich Lady Windermeres Ruf auf dem Spiel…






